Ellenbogen

 

Das Ellenbogengelenk ist ein knöchern stabil geführtes Gelenk, das je nach Lebensalter unterschiedliche Beschwerden machen kann.

 

Osteochondrosis dissecans

Beim Heranwachsenden kann es zu Durchblutungsstörungen des gelenknahen Knochens kommen (Abbildung 1: Osteochondrosis dissecans). Dies kann zu einer Ablösung des Knochens mit einem Knorpelschaden und einem freien Gelenkkörper führen. Der Betroffene bemerkt Blockierungen des Gelenks und eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung. In frühen Stadien kann eine konsequente Reduktion der Belastung (Vermeidung des Stützens z.B. beim Turnen) die Erkrankung ausheilen. Sofern es immer wieder zur Blockierung des Gelenks mit Schmerzen kommt, ist eine minimalinvasive Therapie mit Refixation und ggf. Entfernung des freien Gelenkkörpers (Abbildung 2: Freier Gelenkkörper im Ellenbogengelenk), der minimal invasiv entfernt werden kann, und die Behandlung des Knorpeldefekts (weitere Informationen siehe OCC) angezeigt.

 

Abbildung 1: Osteochondrosis dissecans am Ellenbogengelenk bei einem 12-jährigen Turner.

Abbildung 2: Freier Gelenkkörper im Ellenbogengelenk, der minimalinvasiv entfernt werden kann.



Tennis- und Golferellenbogen (Epikondylitis radialis und ulnaris)

Schmerzen an der Außenseite des Ellenbogens (am Ansatzbereich der Handgelenksstrecker) sind die häufigsten Beschwerden in der Ellenbogensprechstunde. Sie entstehen meist durch eine wiederholte Überlastung (z.B. Tippen) oder eine ungewohnte starke Belastung (wie z.B. Gartenarbeit). Grundsätzlich sollte bei diesen Erkrankungen mindestens 3-6 Monate ohne eine Operation behandelt werden. Nach den aktuellsten wissenschaftlichen Daten hat neben einer Schonung das exzentrische Dehnen (Kräftigung gegen Dehnungswiderstand, Abbildung 3) die beste Wirkung. Zur Entlastung kann eine Unterarmspange oder eine Handgelenksschiene verordnet werden. Oft vergessen wird die Halswirbelsäule, welche manualtherapeutisch behandelt werden kann.

 

Eine entzündungshemmende Spritze mit Kortison in Kombination mit regenerativen körpereigenen Heilungs-, und Wachstumsfaktoren (Plättchenreiches Plasma, PRP, Abbildung 4) lindert die Schmerzen und beschleunigt die Heilung. Viele Betroffene profitieren auch von einer Stoßwellentherapie an den entzündeten Arealen.

 

Verbleiben Schmerzen trotz einer konsequenten Therapie nach dem o.g. Schema liegt meist eine schwerere strukturelle Schädigung mit einem Sehnenanriss oder eine Instabilität vor (Abbildung 5). Dies sollte mittels eines MRTs (Kernspintomographie/ Magnetresonanztomographie) des Ellenbogens in Streckstellung untersucht werden. Je nach Ursache kann den Betroffenen meist mit einer Gelenkspiegelung und einer Befund bezogenen, minimalinvasiven Therapie (z.B. Bandplastik) geholfen werden.

 

Abbildung 3: Exzentrisches Dehnen beim Tennisellenbogen

1. Die Hand des betroffenen Ellenbogens (#) wird nach oben gedrückt.
2. Mit der anderen Hand wird ein Gegendruck aufgebaut (Pfeil). Dann wird das Handgelenk der betroffenen Seite (#) unter leichtem Nachlassen der Anspannung in die Handgelenksbeugung geführt.

Abbildung 4: Blutplättchen enthalten die Wachstumsfaktoren der Wundheilung und können angereichert die Heilung beschleunigen (Plättchen reiches Plasma).

Abbildung 5: Die Strecksehnen des Unterarms sind an der Ansatzzone am Ellenbogen abgelöst und können eine Instabilität mit Schmerzen verursachen.



Bruch und Auskugeln des Ellenbogens

Nach Stürzen oder Verrenkungen des Ellenbogens muss nach dem Einrenken in der Regel eine Verplattung und Verschraubung der Knochen erfolgen (Abbildung 6: Bruch Speichenköpfchen). In Narkose wird auch die Stabilität überprüft und falls notwendig Bänder und Sehnen wieder befestigt.

 

Abbildung 6: Im Bild oben ist eine Computertomographie mit Bruch des Speichelköpfchens zu sehen (Pfeil). Falls der Bruch mehr als 1/3 der Gelenkoberfläche umfasst und die Verschiebung größer ist als 2 mm, wird eine Reposition und Stabilisierung empfohlen. Die beiden Röntgenbilder darunter zeigen das angehobene Fragment und die Minischrauben-Osteosynthese (#).



Steifer Ellenbogen

Nach einem Unfall mit nachfolgend notwendiger Ruhigstellung und Gelenkschädigung kann es zu einer Steife des Ellenbogens kommen. Dies behindert die Betroffenen bei alltäglichen Bewegungen wie Essen und Trinken oder Haare kämmen. Meist kann mit Physiotherapie der Bewegungsumfang vergrößert werden. Voraussetzung für eine optimale Behandlung ist in jedem Fall eine gründliche Analyse der Ursache für die Steife: interessanterweise reagiert das instabile Ellenbogengelenk auch mit einer Steife (Abbildung 7: Bänder Ellenbogen außen)! Der Körper versucht sich gewissermaßen zu schützen und eine unnatürliche Beweglichkeit zu reduzieren. Falls die konservative Behandlung nicht zum Ziel führt, kann eine Gelenkspiegelung und Durchtrennung der Kapsel die Beweglichkeit verbessern. Bei einer Instabilität muss diese zusätzlich behoben werden.

 

Abbildung 7: Bänder des Ellenbogens an der Außenseite: Oft wird bei Ellenbogenverletzungen die Schädigung des lateralen ulnaren Seitbandes (LUCL, Pfeil) übersehen, was langfristig zu Schmerzen führen kann.



Verschleiß des Ellenbogens

Im Laufe der Jahre kann es zu einem Verschleiß des Knorpels und zu Knochenanbauten (Osteophyten) am Gelenk kommen (Abbildung 8: Arthrose Röntgen Ellenbogen). Dies reduziert das Bewegungsausmaß des Gelenks und erschwert alltägliche Bewegungen. Linderung können Spritzen mit entzündungshemmenden Medikamenten (Cortison) und/ oder Hyaluronsäure in Kombination mit Physiotherapie bringen. Falls dies nicht zum gewünschten Erfolg führt, können die Knochenanbauten und die verdickte Gelenkkapsel minimal-invasiv entfernt (die Kapsel bildet sich dann in den Wochen nach der Operation wieder) und die Beweglichkeit verbessert werden. In schweren Fällen kann der Gelenkersatz mit modernen, langlebigen Implantaten erfolgen.

 

Abbildung 8: Oben ist das Röntgenbild eines gesunden Ellenbogens zu sehen. Unten ist ein deutlicher Verschleiß mit Verlust des Gelenkspalts und Knochenanbauten sichtbar (Pfeil).


Steinlach-Klinik
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